OK – das Thema geistert schon einige Zeit durch das Netz. Gerade deshalb will ich es hier mal aufgreifen. Der Spiegel bezeichnet es als kleine Medienrevolution: das kostenlose iPad-App Flipboard. Das Programm mixt Leseempfehlungen von Facebook- und Twitter-Freunden, Artikel aus Blogs und Internetseiten zu einem ganz persönlichen, sehr schick gestaltetem digitalen und Magazin zusammen. Zum Launch im Juli herrschte in Medien und Blogosphäre eine solche Begeisterung, dass die Server von Flipboard zeitweise zusammenbrachen. Natürlich ist dieser Ansatz nicht völlig neu. Twittertim.es oder Meehiv.com bieten schon länger personalisierte Medienangebote aus sozialen Netzwerken und Nutzerinteressen an. Außerdem gibt es auch schon Apps, die RSS-Feeds zu einer personalisierten Zeitung zusammenfügen. Aber so intuitiv und optisch überaus ansprechend gestaltet wie Flipboard ist das den anderen Diensten nicht gelungen. Der Spiegel dazu:
Flipboard ist der erste Blick in eine multimediale Zukunft, deren Grundlage Twitter, Facebook und Co. geschaffen haben – das Weitererzähl-Web, dess endgültige Form zumindest bisher im Dunkeln lag.
Finanzieren soll sich das Angebot durch Werbung, die zwischen den automatisch gelayouteten Seiten erscheinen soll. Da die Inhalte nicht über RSS-Feeds bezogen werden, sondern von den Originalwebseiten gerendert werden, müssen sich die Macher des Social-Network-Magazins erstmal mit rechtlichen Problemen um Urheber- und Nutzungsrechte herumschlagen.
das hätte ich ja nicht gedacht. Während Amazon in den USA bereits jetzt mehr elektronische als gedruckte Bücher verkauft, haben E-Books in Deutschland etliche Startschwierigkeiten. Analysten der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) zufolge wird sich diese Situation nur sehr langsam ändern. Sie prognostizieren für 2015 in Deutschland einen Umsatzanteil für elektronische Bücher von gerade mal 6,3 Prozent – dabei beziehen sie sich allerdings rein auf die erzählende Literatur. Der Durchbruch der E-Books lässt in Deutschland also noch auf sich warten.
Laut PwC könnten bis 2015 in Deutschland bis zu 2,5 Millionen E-Reader verkauft werden. Voraussetzung sei allerdings, dass der Reader mit Farb-Bildschirmen und Internetzugang ausgestattet sei – außerdem und vor allem aber müssten die Preise gesenkt werden. Die große Mehrheit werde laut Studie Tablet-PCs wie etwas das iPad verwenden. E-Reader seien in Deutschland derzeit kaum bekannt – nur 20 Prozent von 1000 Befragten konnten überhaupt angeben, was mit dem Begriff E-Reader gemeint sei. Allerdings frage ich mich da schon, ob dies nicht einfach am Begriff liegt. Werden Tablet-PCs nicht einfach zum Lesen verwendet ohne dass die User den Begriff E-Reader kennen?
PwC rät dem deutschen Buchhandel, sich dringend um neue Geschäftsmodell für den E-Book-Vertrieb zu kümmern, da er ansonsten gegen die globalen Größen wie Apple, Amazon oder Google keine Chancen habe. Und da haben wir sie wieder – die Suche nach den Geschäftsmodellen!
Speisekarten auf Papier – das war einmal. Ein australisches Restaurant in Sydney macht den Anfang und präsentiert seinen Gästen sein Angebot auf iPads. Hotelchef Craig Simpson nimmt die hohen Kosten in Kauf, denn er will seinen Gästen eine besondere Speisekarte bieten – und dazu gehört neben einem besonderen Inhalt auch eine besondere Art der Präsentation. Simpson nimmt dabei auch in Kauf, dass das eine oder andere Glas Wein auf den iPads verschüttet wird oder Gäste den Minicomputer einfach mit nach Hause nehmen.
Mit dem iPad können die Gäste nun Bestellungen im Restaurant aufgeben, ohne dass ein Kellner erscheint. Ob das Steak durch, medium oder blutig gebraten werden soll, wird auch gleich erfragt. Geplant sind weitere Funktionen. So soll das iPad in Zukunft auch gleich die passenden Weine zum Gericht vorschlagen und nicht vorrätige Speisen und Getränke sofort aus der Karte entfernen.
Die neue Form der Speisekarte kommt bei den Gästen sehr gut an. Restaurantchef Fareid Taheri dazu:
Das ist etwas, mit dem man spielen kann, während man bestellt
Hier mal eine kurze Demo über die Leichtigkeit des Lesevorgangs auf dem iPad.
Die Bedeutung von Multitouch bleibt auch Amazon nicht verschlossen. So hat der Buchhändler inzwischen ein Startup mit dem Namen Touchco übernommen. Die 6-Mann-Firma arbeitet an der Entwicklung von druckempfindlichen durchsichtigen Diplays, die nur einen Bruchteil dessen kosten, was Apple für seine Touch-Screens zahlt.
das Thema ist in aller Munde: Überallgeräte wie Tablets, iPads, Smartphones können und werden das Zeitungslesen revolutionieren und zu neuen Geschäftsmodelle im journalistischen Angebot führen. Dass es nicht reicht, einfach nur alte Produkte auf neue Vertriebswege zu übertragen, zeigt Spiegel-Online-Autor Konrad Lischka deutlich auf. Wenn die New-York-Times-Managerin Jennifer Brook bei der Präsentation der iPad-Anwendung ihrer Zeitung sagt: “Ich denke, wir haben die Essenz des Zeitungslesens erfasst”, dann greift dieser Satz für Konrad Lischka zu kurz. Er verweist darauf, dass in mobilen Endgeräten
die alten Mediengrenzen (soweit es sie noch gibt) zerfließen und ineiander übergehen
die kostenpflichtigen Angebote nicht länger von Medienunternehmen, sondern vom Kunden selbst betrieben werden
Eine kreative Umsetzung dieser Tendenzen findet man bei der iPad-Anwendung der US-Baseballliga MLB. Hier kann man zwischen mehreren Videos und Audioübertragungen von Spielen wechseln, währenddessen Statistiken zu einzelnen Spielern aufrufen, die Spielhistorie des Hitters und Pitchers vergleichen und in einer Fülle kurzweilig aufbereiteter Daten wühlen, die für das aktuelle Spiel interessant sind. Journalismus ist hier nicht länger nur Text – es gilt vielmehr Text und Video, Illustrationen und Interaktion, Usability und User Experience zu neuen, mehrwertigen Darstellungsformen zu verbinden.
Die Essenz der Zeitung ist guter Journalismus. Wie er auf Überallgeräten wie dem iPad funktionieren kann, ist eine drängende Frage – die mindestens genauso wichtig ist wie die Frage nach Vertriebserlösen.