OK – das Thema geistert schon einige Zeit durch das Netz. Gerade deshalb will ich es hier mal aufgreifen. Der Spiegel bezeichnet es als kleine Medienrevolution: das kostenlose iPad-App Flipboard. Das Programm mixt Leseempfehlungen von Facebook- und Twitter-Freunden, Artikel aus Blogs und Internetseiten zu einem ganz persönlichen, sehr schick gestaltetem digitalen und Magazin zusammen. Zum Launch im Juli herrschte in Medien und Blogosphäre eine solche Begeisterung, dass die Server von Flipboard zeitweise zusammenbrachen. Natürlich ist dieser Ansatz nicht völlig neu. Twittertim.es oder Meehiv.com bieten schon länger personalisierte Medienangebote aus sozialen Netzwerken und Nutzerinteressen an. Außerdem gibt es auch schon Apps, die RSS-Feeds zu einer personalisierten Zeitung zusammenfügen. Aber so intuitiv und optisch überaus ansprechend gestaltet wie Flipboard ist das den anderen Diensten nicht gelungen. Der Spiegel dazu:
Flipboard ist der erste Blick in eine multimediale Zukunft, deren Grundlage Twitter, Facebook und Co. geschaffen haben – das Weitererzähl-Web, dess endgültige Form zumindest bisher im Dunkeln lag.
Finanzieren soll sich das Angebot durch Werbung, die zwischen den automatisch gelayouteten Seiten erscheinen soll. Da die Inhalte nicht über RSS-Feeds bezogen werden, sondern von den Originalwebseiten gerendert werden, müssen sich die Macher des Social-Network-Magazins erstmal mit rechtlichen Problemen um Urheber- und Nutzungsrechte herumschlagen.
Der Zeitschriftenmarkt der Zukunft liegt laut Marketinguru Seth Godin überwiegend in der Hand der Mikro-Magazine. Aber was sind Mikro-Magazine eigentlich? Hier die wichtigsten Kennzeichen
die Zeitschrift wird digital verbreitet
hat Abonnenten (per EMail, RSS o.ä.)
hat eine sehr spezifische Leserschaft
finanziert sich durch zielgruppenorientierte Werbung
bietet seinen Lesern die Möglichkeit, sich über Blogs oder Foren auszutauschen
die Texte sind länger als 140 Zeichen, um auch komplexe Inhalte vermitteln zu können
die Redaktion besteht maximal aus 2 Mitarbeitern, die 100.000 Leser bedienen.´
Setz Godin nennt als Beispiel das EMag Fear.Less, in dem persönliche Mutmach-Geschichten publiziert werden. Er prognostiziert mittelfristig einen Markt für 100.000 profitable Mikro-Magazine (Micro-Mags). Jedes dieser Magazine könne 100.000 Leser erreichen.
Der Verlagsberater Leander Wattig hat Ulrike Langer am Rande des Cologne Web Content Forum ein interessantes Inverview zu den Chancen des digitalen Publizierens gegeben. Der Tenor: der Medienwandel ist zwar schmerzhaft aber die Möglichkeiten sind für Verlage groß.
Zeitschriften von morgen werden in elektronischer Form publiziert. Immer mehr Ausgaben ercheinen ausschließlich digital. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Video und Magazin. Jeder Artikel beginnt mit einem kurzen Videovorspann, ähnlich wie bei einem Computerspiel. Wie ein Living Magazine Cover aussehen kann, zeigt z.B. das Outside Magazines. Es zeigt den Teaser für ein living portrait des Triathleten Chris Lieto – wirklich gut gemacht!